Rezensionen

mittageisen v2
Zillo (D), March 1999

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mittageisen v2

Zillo (D), März 1999

‚Arbeit – nur für Automaten‘ hiess es Anfang der Achtziger Jahre in dem Song ‚automaten‘ der ’81 gegründeten Band mittageisen (mittlerweile um v2 – Version 2 ergänzt), neben Grauzone Aushängeschild der Schweizer New-Wave Bewegung. Die dereinst beschriebene Situation, dass viele Menschen wie Automaten (zu) funktionieren (haben), ist auch fünfzehn Jahre später nach wie vor bittere Realität. Und dass die seit Urzeiten bestehende Weisheit ‚Geld regiert die Welt‘ hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts immer wieder prachtvolle Blüten gedeihen lässt, hat leider ebenso deutlichen Realitätsbezug.

Mit der Mini-CD ‚geld – arbeit‚ bringen mittageisen v2 (der Name basiert auf einer Fotomontage von John Heartfield aus dem Jahre ’34 und einer danach benannten Single von Siouxsie & the Banshees) nach der ’94 erschienen Werkschau ihrer Arbeiten zwischen 1981-86 (‚alles ist anders … nichts hat sich geändert‚) ein neues Lebenszeichen zu Gehör.
Während es sich bei ‚arbeit‘ um eine neu-editierte Version vom Kult-Hit ‚automaten‘ handelt, erweist sich ‚geld‘ als Cover-Version von den ‚Krautrockern‘ La Düsseldorf.
„Die primäre Idee war, eine CD zum Thema ‚geld – arbeit‘ zu machen“, erklärt Mastermind Bruno W. „Dies vor allem aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit und Aktiengewinne, das heisst die immer extremere Trennung von Wert-Schaffenden und Wert-Schöpfenden.“ Auf ‚geld‘ von La Düsseldorf stiess Bruno der bei mittageisen v2 von Manuela H unterstützt wird, dabei völlig naturgemäss. „Meine musikalischen Vorlieben liegen sicherlich in den Siebzigern bei Roxy Music, David Bowie und Velvet Underground. La Düsseldorf resp. deren Vorgänger Neu waren von den deutschsprachigen Gruppen musikalisch den erwähnten Bands am Nächsten.“
Während mittageisen v2 ‚geld‘ ihr charakteristisches 80er Klangkostüm anziehen – von jeher stand die Band für unter die Haut gehende, melancholische Synthesizer-Gitarren-Fusionen – und gar ein wenig in die Siebziger schweifen, lässt Remixer Marco Repetto zudem drei differenzierte Interpretationen mit Moderntouch (Houseschatten, Technogrooves, zirpenden Ambient) erklingen. „Marco ist ein alter Musiker-Kollege. Wir kennen uns seit den Anfangszeiten des CH-Punk vor rund zwanzig Jahren. Marco spielte damals in einer Punk-Band namens Glueams (woraus später Grauzone entstand) und durch meine Aktivität als Fanzine-Schreiber und Produzent der ersten Swiss-Punk LP (‚Crazy‘) lernten wir uns kennen.“
Derzeit arbeitet Bruno W intensiv an einem neuen Longplayer. Wie’s klingen wird? Ueberraschen lassen …